Praxis für Optometrie

Dr. med. Christl Huber
Ärztin · Optometrie · Naturheilverfahren

May 2013

Die AUGEN stellen die innere Uhr

Jetlag und Zeitumstellung, Winterdepression und Frühlingserwachen – unsere innere Uhr hat viel zu tun um den Körper im Takt zu halten. Denn die Ausschüttung von wichtigen regulativen Hormonen wie Serotonin, Cortisol, Adrenalin und Melatonin geschieht in einem 24-stündigen Zyklus, dem Biorhythmus, auch circadianer Rhythmus genannt.

Licht reguliert den Biorhythmus. Spezielle photosensible Netzhaut-Zellen im Auge leiten Licht direkt an den Teil des Gehirns, der den Biorhythmus steuert. Vor allem blaues Licht wirkt aktivierend auf die Lichtzellen im Auge. Dabei ist natürliches Sonnenlicht am wirksamsten. Helligkeit stimuliert die Lichtzellen im Auge und damit die Aktivitäts-Hormone. Bei Dunkelheit dagegen wird das Schlafhormon Melatonin ausgeschüttet und wir werden müde und schläfrig. Ist die richtige Licht-Balance gestört, kann es zu Depressionen und anderen Gesundheitsproblemen kommen. Die Winter-Depression in den nördlichen Breiten ist die bekannteste Störung.

Blaulicht aktiviert. Künstliche Lichtquellen haben Einfluß auf den Biorhythmus. Mit Vollspektrum-Lampen versucht man dem natürlichen Sonnenlicht möglichst nahe zu kommen. Spezielle Leuchten mit breitem Blaulichtanteil, sog. Lichtduschen werden morgens verwendet um die positive Lichtreaktion im Körper zu aktivieren und gegen die Winter-Depression zu wirken.

Warmlicht dämpft dagegen. Deswegen sind Warmlicht-Leuchten mit hohen Rotanteil für abends geeignet. Der hohe Blaulichtanteil in Energiesparlampen und LEDs wie sie in Computern, IPads, IPods, etc. verwendet werden, kann am Abend die gewünschte Sekretion von Melatonin unterdrücken und das Einschlafen erschweren. Daher sollte man abends vor dem Schlafengehen nicht zu lange elektronische Geräte benutzen und keine Lichtquellen mit hohen Blaulichtanteil wählen.

Das alternde Auge filtert blaues Licht. Etwa ab dem 45. Lebensjahr (Lesebrillen-Alter) können sich Veränderungen im Auge bilden, die den Lichteinfall auf die Netzhaut vermindern. Dazu gehören Trübungen und Gelbverfärbungen der Augen-linse (grauer Star) sowie Zellablagerungen im Glaskörper. Dadurch wird das blaue Licht gefiltert und die Stimulation der Lichtzellen vermindert. Studien haben gezeigt, daß Trübungen im Auge bei Älteren oft für Depressionen verantwortlich sind.

Eine Gelbverfärbung der Augenlinse schützt andererseits die Makula der Netzhaut vor schädlicher UV-Strahlung. Deshalb wird heute bei Staroperationen die getrübte Linse durch eine Kunstlinse mit feinem Gelbfilter ersetzt. Der Filter läßt genügend blaues Licht zur Netzhaut-Stimulation durch, filtert jedoch schädliches UV-Licht um vor Makula-Degeneration zu schützen.

Ältere Menschen sollten regelmäßig die Augen wegen Trübungen untersuchen lassen.

MIT LICHT DIE INNERE UHR STELLEN

  • Tagesablauf möglichst an natürliches Licht anpassen
  • Morgens blaues Licht, abends Warmlichtlampen verwenden
  • Tagsüber Arbeitsplatz hell mit hohem Blaulichtanteil erleuchten
  • Nachts Schlafraum richtig abdunkeln
  • Ab 45 Augen regelmäßig wegen Trübungen untersuchen lassen
  • Die Einnahme von Melatonin kann problematisch sein: Hausarzt fragen!

SONNENLICHT UND FRISCHE LUFT HABEN DIE BESTE WIRKUNG – AUCH BEI BEWÖLKUNG

Mit Jetlag habe ich die beste Erfahrung, sich vom ersten Tag an auf die neue Zeit einzustellen, d.h., Uhr sofort umstellen, morgens wie gewohnt aufstehen, alles hell machen, zum Aufwachen Wechselduschen. Abends wie gewohnt schlafen gehen, wenn man nicht sofort schlafen kann, bei gedimmter Beleuchtung ein angenehmes, nicht aufregendes Buch lesen oder beruhigende Musik hören. Keine elektronischen Geräte am Abend!

Übrigens: Forscher haben festgestellt, daß Bewegung in freier Natur die Stimmung am effektivsten hebt. 10-15 Minuten täglich haben schon eine positive Wirkung. Weder Computersimulationen noch große Naturwandbilder haben diesen Effekt – aber ein Stadtpark tut es sicher auch.