Praxis für Optometrie

Dr. med. Christl Huber
Ärztin · Optometrie · Naturheilverfahren

Mehr über AUGEN + SEHEN

October 2016

Peripheres Sehen ist überlebenswichtig

Zunehmend begegnet man Menschen, vertieft in ihr Smartphone, die Umgebung scheinbar nicht wahrnehmend. Geht man auf sie zu, schauen sie kurz hoch und man geht aneinander vorbei. Wie geht das, daß Menschen, die konzentriert auf eine kleine Fläche schauen eine herannahende Person trotzdem wahrnehmen?

Es gibt zwei Arten von Sehen

Beim Sehtest wird das zentrale Sehvermögen gemessen. Dabei handelt es sich um die Sehleistung an der schärfsten Stelle des Sehens, der Makula in der Netz-haut. Mit den Sehzellen der Makula (Zäpfchen) können wir scharf, zentriert, mit hoher Genauigkeit, farbig, räumlich und in verschiedene Entfernungen sehen.

Die meisten der übrigen Sehzellen (Stäbchen) unterscheiden Hell und Dunkel und ermöglichen dadurch das Nachtsehen. Die Stäbchen nehmen zudem ständig das gesamte periphere Blickfeld auf. Dieser Sehbereich ist zwar verschwommen, dafür aber sehr groß und hat eine hohe zeitliche Auflösung. Deshalb können wir Bewegungen im Seitenblickfeld sehr schnell erkennen.

Zentrales und peripheres Sehen ergänzen sich

Richtet sich der Blick bewußt auf einen Gegenstand so fokusiert das Auge auto-matisch und wir sehen scharf. Zugleich wird unbewußt das Seitenblickfeld ge-scannt. Erkennt die Peripherie Gefahr oder etwas Interessantes so schaltet das Gehirn das zentrale Sehen ein. Dadurch wird Sehen als Einheit erst möglich. Raum und Perspektive können erfaßt werden, Farben gesehen, hell und dunkel unterschieden und Bewegungen erkannt werden. 

Freund oder Feind?

Forscher am Max-Planck-Institut in Tübingen https://www.mpg.de/10350654/sichtfeld-bewegung-personen haben nun nachgewiesen, daß Personen am Rand des Gesichtfeldes viel besser wahrgenommen werden als bisher gedacht. Die Forscher vermuten, daß „die Erkennung von Handlungen anderer Menschen aus den Augenwinkeln so wichtig ist, um frühzeitig zu erkennen, ob eine sich nähernde Person gute oder schlechte Absichten hat.“ Der Mensch mit dem Smartphone nimmt so die entgegenkommende Person wahr.

Das Problem mit den Smartphones

Trotzdem ereignen sich gehäuft Unfälle aufgrund von Ablenkung durch Smartphones.Werden vor allem Bildeindrücke aus dem Nahbereich an das Gehirn geleitet, wird die Aufmerksamkeit in der Peripherie vermindert. Zudem werden bei längerem Fokusieren auf die gleiche Stelle die Sehzellen der Makula überlastet. Zentrales und peripheres Sehen wird nicht mehr richtig koordiniert, plötzliche Gefahren im Seitenblickfeld nicht rechtzeitig erkannt.

Einengung des Blickfeldes durch Krankheiten

Vor allem Glaukom (grüner Star) ist gefährlich. Das Blickfeld wird dabei lang-sam einschränkt ohne daß der Betreffende davon etwas merkt. Glaukom entsteht meist durch Erhöhung des Augeninnendrucks. Weitere Ursachen sind

  • Netzhautablösung oder Netzhautveränderungen
  • Akuter Gefäßverschluß im Auge
  • Durchblutungsstörungen
  • Hirn- und Sehnerverkrankungen
  • Schlaganfall

Gutes Sehen = schnelle Reaktion

Peripheres Sehen ist überlebenswichtig. Zusammen mit der zentralen Sehschärfe entsteht gutes Sehen. Man kann dazu selbst etwas beitragen 

  • Bewegung und Sport im Freien trainiert peripheres Sehen
  • Vom Smartphone weg und in die Ferne schauen entspannt die Augen
  • Glaukom-Check ab dem 40. Lebensjahr
  • Zentrale Sehschärfe regelmäßig kontrollen

Sicherheit im Straßenverkehr

Die schnelle Wahrnehmung unserer Umgebung ist wichtig im Straßenverkehr. Die Reaktionsfähigkeit zur Vermeidung von Unfällen hängt von der schnellen Wahrnehmung ab. Ist das zentrale Sehen durch lange Fokusierung auf das Smartphone  überlastet, wird die gesamte visuelle Aufnahme veringert und die Sehfähigkeit vermindert. Menschen mit vermindertem Sehvermögen reagieren langsamer auf schnell herannahende Gefahren.